Die Sanddüne nimmt den Großteil des Bildes ein. Im Hintergrund sieht man das dunkelblaue Meer und den von weißen Wolken durchzogenen blauen Himmel.

Weitwinkelaufnahme der Sanddüne Rubjerg Knude mit Leuchtturm

Gerade habe ich mich für die Entscheidung noch bis zum nächsten Kliffvorsprung und zum nächsten und zum nächsten zu wandern, ein weiteres Mal angezählt. Nicht mehr als 3km in eine Richtung. Das habe ich mir vorgenommen. Schließlich bezeichnet die Wettervorhersage das hier als Sturm. Das Meer wütet, das Licht tanzt auf den Wellenkämmen soweit das Auge reicht, der lose Sand wird von den Kliffspitzen gepustet. Ich kann mich nicht sattsehen. Obwohl: Sehen ist so eine Sache: Die Sole verwandelt meine Brillengläser in Milchglas. Der kalte Wind geht durch bis auf meine Haut. Der eben noch funktionierende Hoodie hat dem Sturm bzw. dem mir nun voll entgegen wehenden Westwind nichts entgegenzusetzen.

Selfie von oben mit Basecap, Airpods und Nordic Walking Stöcken
Beste Ausrüstung für Stunden am Strand

Im dritten Jahr Walking am Meer sollte ich es besser wissen: Der Hinweg bei Sturmböen ist ein Traum, der Rückweg anstrengend und mit einem mittelgroßen Meckerkonzert in meinem Kopf verbunden. Und beide nehmen kein Ende. Niemand sonst läuft hier draußen bei dem Wetter so lange rum. Ok, dänische Kinder gehen sogar ins Wasser, aber das nur nebenbei.

Was man halt so denkt, wenn sich der Rückweg zieht. Als irgendwann am Horizont unser Auto nebst Strandmuschel auftaucht, habe ich schon wieder Sehnsucht und bereue es fast, nicht doch weiter gegangen zu sein. So schön war es, und so schön ko bin ich jetzt. Aber es hätte nichts gebracht, ich hätte den Leuchtturm heute vom Meer aus nicht gesehen.

Im Juni 2019 bin ich in der Früh als erster Mensch den Strand entlang in Richtung Leuchtturm gelaufen. Zumindest ließen mich das meine Spurensucherkenntnisse vermuten. Ja, die Tatsache, dass es nie richtig dunkel wurde, ließ mich in diesem Sommer sehr wenig schlafen. Die Möwen waren schon da und saßen in die Kliffvorsprünge gekuschelt, bis sie sich vor mir in Schwärmen gen Nordsee erhoben. Ich hatte wirklich viel Zeit, Zwiesprache mit dem Leuchtturm dort oben auf seiner ihn stetig auffressenden Wanderdüne zu halten.

Von oben fotografiert: Im Vordergrund das zerklüftete Ufer. Unten die Nordsee mit seichten Schaumkämmen. Den blauen Himmel durchziehen Schleierwolken.

Blick in Richtung Nørre Lyngby und Løkken

Als es dann im Oktober 2019 hieß, dass er umgesetzt würde, bekam ich Herzklopfen. Zwischen 1900 und 1968 waren der Leuchtturm Rubjerg Knude Fyr und die umliegenden Nebengebäude aktiv in Benutzung. Dann musste der Betrieb eingestellt werden: Die Düne Rubjerg Knude war so stark angewachsen, dass der Turm vom Meer aus nicht mehr zu sehen war. Knapp fünfzig Jahre später drohte er nun in die Nordsee zu stürzen. Statt ihn abzutragen, fasste man den Beschluss, ihn umzusetzen. Eine lokale Baufirma bekam den Auftrag, den Leuchtturm weiter ins Landesinnere zu versetzen, was Ende Oktober 2019 glückte. Ziemlich spektakulär für eine kleine und karge Gemeinde und für uns Fans. Der örtliche Maurer Kjeld Pedersen war für die Umsetzung verantwortlich. Er ist nun ein Held, dem in diesem Sommer sogar eine Sandfigur in Hørring gemeißelt wurde.

Strandhafer und Büsche säumen den Sandweg zur Düne hin. Im Hintergrund steht der weiße Leuchtturm mit rotem Dach inmitten der lang gestreckten Düne vor hellblauem Himmel.

Der Weg zur Düne

Hatten wir in den letzten Jahren das Glück, ein Ferienhaus nah am Meer zu bewohnen, war das dank Corona und Einreiseverboten 2020 nicht möglich. Unser Haus wurde spät gebucht und stand in Hirtshals. Trotzdem war ich Sturmwandern. Nicht so häufig wie erhofft, konnte ich meine wirren Gedanken Richtung Meer werfen, denn die Stürme waren sehr stark. In Løkken wurden die Badehäuschen und an anderen Stränden die Rettungstürme und auch gleich ganze Strände überflutet. Es war traumhaft.

Aber zurück zum Leuchtturm. Zweimal sind wir die Düne hinauf gestapft, ohne Sandsturm und ohne Tamtam. Keine großen Hinweisschilder, keine Absperrungen. Alles wie früher. Nur der Parkplatz ist etwas größer geworden und die schmale Straße hat einen Streifen zum Schutz für Radfahrer und Fußgänger bekommen. Spätestens mit seiner spektakulären Versetzung ist Rubjerg Knude Fyr zu “dem” Wahrzeichen Nordjütlands geworden, wenn er es nicht eh schon war.

Schenkt man den Medien Glauben, kommen in diesem Jahr mehr Menschen als in den letzten Jahren, den Leuchtturm auf der Wanderdüne und die spektakuläre Aussicht auf die Kliffküste zwischen Lønstrup und Løkken zu genießen. Wie eigentlich überall in Nordjütland stört man sich trotzdem nicht.

Rechts das Kliff, links das Meer im Sonnenschein. Blauer Himmel mit ein paar Wolken.

Blick in Richtung Lønstrup am Strand von Nørre Lyngby.

Dicke Wolken am Horizon über dem Meer. Im Vordergrund zwei größere Steine in der Brandung

Hirtshals

Wer im Sommer an die Nordsee nach Nordjütland fährt, will Wetter.

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Kommentare & Webmentions

@Arne antwortete

Sehr schöner Bericht. Ich würde gern mehr so individuelle Sachen hier lesen.

@Manuela antwortete

Vielen Dank!

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Manuela

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